Mein erster Raglan-von-oben

Ende September habe ich mir in den Kopf gesetzt, einen Pullover zu stricken. Anlass war, dass ich meine Wollkiste sortiert und ausgemistet habe und dabei auf eine größere Menge (etwa 700g) älterer Wollknäul in einem melierten Türkis gestoßen bin. Manche Knäul waren noch ganz mit Banderole, manche nur noch neu aufgewickelte Reste.
Fakten zur Wolle:

Name: Tahiti
Von: Müller & Partner, Made in Germany
Material: 68% Baumwolle, 14% Viskose, 18% Polyacryl
Lauflänge: ca. 95m/50g
Empfohlene Nadelstärken: 3-3,5
Col/Lot: 027/63524

Da ich nicht besonders erfahren im Stricken allgemein und im Kleidungsstricken im Besonderen bin, habe ich eine Weile nach einer Anleitung gesucht und bin dann auf die Technik „Raglan von Oben“ gestoßen. Dabei wird der Pullover von oben am Halsausschnitt begonnen und nach unten gestrickt. Die Ärmel werden einfach mit ran gestrickt, so dass man nichts mehr annähen muss. Dabei macht man an den Schultern genügend Zunahmen, dass sich der Ärmel herausbildet. Die Linie um die die Zunahmen gemacht werden ist die Raglanlinie.
Das ganze Verfahren klang für mich ziemlich simpel und praktisch und es sollte sich herausstellen, dass es das auch wirklich ist 🙂

Die Seite „raglanvonoben.de“ bietet einen Raglan-Rechner und auch allerlei Tipps für Anfänger.
Zunächst habe ich die Maschenprobe gemacht, 20 Maschen haben bei mir mit Nadel 2,5 etwa 10cm ergeben.
Bei dem Halsumfang war ich mir etwas unsicher, ich wollte einen etwas größeren Ausschnitt und habe 50cm eingegeben, hier hat sich herausgestellt, dass ich ruhig mehr hätte eingeben können, da der Kragen doch etwas eng geworden ist.
Bei der Raglan-Linie habe ich eine Masche eingegeben und dann hat der Rechner meine benötigten Maschen für Rückenteil, Vorderteil, Ärmel, etc. berechnet.
Das hat sehr gut funktioniert und ich werde den Rechner bei einem nächsten Raglan sicher wieder benutzen.
Bei der Raglanlinie hat sie Seite für Anfänger eine Masche empfohlen, fortgeschrittene Stricker können hier mehr Maschen eingeben und man kann richtige Muster (z.B. Zopfmuster) an der Raglanlinie arbeiten. Für mich war aber eine Masche total oke und die Optik gefällt mir auch sehr gut.
Die Seite gibt auch sehr gute Tipps, wie man den Rechner benutzt und beschreibt auch die einzelnen Schritte, wie der Pullover dann gestrickt wird.

Zunächst werden die Maschen angeschlagen, so wie der Rechner das berechnet hat. Es sind ein paar Maschen für das Vorderteil (hier ist für den Ausschnitt eine Schräge), das Rückenteil und an den Seiten sind die Maschen für die Ärmel. Dazwischen sind die Raglanlinien, die man deutlich durch das Lochmuster sehen kann.
Zunächst wird der Ausschnitt in Reihen gestrickt und dann geht es in Runden weiter.
Anfangs sieht das wie ein unförmiger Donut aus und ich konnte mir noch nicht wirklich vorstellen, dass das einmal ein Kleidungsstück werden soll. Nach einigen Runden sieht man aber immer mehr, wie sich die Form um die Schultern anpasst und um die Arme reicht.
Die Armmaschen werden dann erst einmal still gelegt und der Brustbereich wird gearbeitet.

 

Ich habe dann zwischendurch den Ausschnitt umstrickt und dabei linke und rechte Runden gestrickt, um eine kraus-rechte Optik zu bekommen und um zu verhindern, dass sich die Enden einrollen.
Ich hatte zwischendurch Sorge, dass die Wolle nicht reichen könnte und ich wollte noch ein bisschen „Muster“-Optik haben, daher habe ich schwarze Wolle gekauft.
Fakten zur schwarzen Wolle:

Name: Cotton Universal
Von: Wolle Rödel
Material: 100% Baumwolle
Lauflänge: ca. 85m/50g
Empfohlene Nadelstärken: 4,0-5,0
Farbe/Partie: 039/404

Ich konnte keine besser passende Wolle finden und die Maschenprobe hat gezeigt, dass hier kein großer Unterschied im Maschenbild ist.
Die Ärmel habe ich dann also etwa ab dem Ellbogen in Schwarz gestrickt und als kleinen Akzent zwei türkisfarbene Streifen am Ende gestrickt.
Abgeschlossen habe ich wieder kraus-rechts.
Als der Halsausschnitt und die Ärmel fertig waren habe ich mich an den letzten Teil gemacht, den Brustbereich fertig zu stricken. Das war eine etwas ermüdende Arbeit, das „spannendste“ war der Farbwechsel zu schwarzer Wolle auf Höhe des Farbwechsels bei den Ärmeln und ein paar Zunahmen zum Bauch und den Hüften hin. Ansonsten ging es immer glatt nach unten.

Abschließend wurden auch hier zwei türkise Streifen gearbeitet und dann kraus-rechts abgeschlossen.
Das schwarze Garn hat gerade so gereicht, von der türkisfarbenen Wolle ist noch ein Knäul übrig.
Alles in allem bin ich zufrieden mit dem Ergebnis. Die Raglan-von-Oben-Seite (+Rechner) kann ich sehr empfehlen für jeden, der über einen selbstgestrickten Pullover nachdenkt. Selbst für einen Strickanfänger wie mich war die Anleitung gut verständlich..

Für den nächsten Pullover würde ich einen größeren Halsausschnitt kalkulieren und dickere Wolle verwenden, zum Ende hin wurde der Bauchbereich doch etwas eintönig zum Stricken 😉

 

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